Aus der Sicht eines Trainers

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Zugegeben, als Trainer einer Mannschaft hat man Träume und Visionen, selbst in der Sportart Golf. Aber der Reihe nach.

Wenn man als Golflehrer in einem Golfclub arbeitet, geht es primär darum, mit diesem Beruf sein Lebensunterhalt zu verdienen und Menschen in dem erlernen einer Sportart zu unterstützen. Zusätzlich gibt es dann noch diejenigen unter uns Golflehrern, die versuchen ihren krankhaften sportlichen Ehrgeiz auf irgendwelche Mannschaften in ihrem Golfclub zu übertragen. Zu dieser Sorte würde ich mich schon zählen. In der 23. Saison betreibe ich nun schon diesen schönen Beruf und eigentlich wollte ich mit diesem ganzen Mannschaftskram schon seit Jahren nichts mehr zu tun haben. Nicht nur das man durch diese Aufgaben kaum noch Zeit für etwas anderes im Leben hat, nein es ist auch finanziell eigentlich eher uninteressant.

Nun aber wieder zurück zum eigentlichen Problem, dem Ehrgeiz.

Als ich im Herbst 2013 angesprochen wurde in einem sportlich recht renommierten Golfclub zu arbeiten und dort u.a. auch die Herrenmannschaft zu übernehmen, gingen mir schon ein paar Zweifel durch den Kopf. Zu dieser Zeit hatte ich einen finanziell hervorragenden Job in einem Golfclub der, wie ich finde, recht wenig Wert auf Leistungssport legte. Den Golfclub, welcher mir das Angebot unterbreitete, war mir sehr gut bekannt, hatte ich doch dort meine ganze Jugend verbracht. Auch der Präsident war mir wohl bekannt und genießt seit langer Zeit mein vollstes Vertrauen.

Aber aus welchem Grund sollte ich wechseln? Ich wusste nicht wie die Auftragslage sein würde. Sportlich gesehen bin ich mit einer Nachwuchsmannschaft schon Deutscher Meister geworden, also warum wieder in diesen Leistungssport?Die Frage ist leicht zu beantworten, es gehört noch immer zu meinem Leben. Der Auftrag sollte heißen, „so schnell wie Möglich zurück in die 2. Bundesliga“.
Viele meiner fachkundigen Freunde rieten mir davon ab und nannten dieses sogar „Mission impossible“. Nach einigen Gesprächen mit meinem „neuen Vorstand“ konnte ich die Herren von einem 2 Jahresplan überzeugen.
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Nun ging es an die Bestandsaufnahme, was haben wir denn da für eine Mannschaft? Oder besser, was ist davon noch übrig? Der Start im November 2013 war auch dementsprechend ernüchternd. Ein Teil der Mannschaft war geflüchtet, andere leideten an etwas Selbstüberschätzung und wiederum andere fingen schon an zu zittern wenn man nur das Wort „Deutsche Golf Liga“ aussprach. Die erste Aufgabe hieß nun, eine einigermaßen schlagkräftige Truppe zu formen. Leichter gesagt als getan, denn fast alle Spieler kannte ich nicht und das was ich auf dem Papier sah, sah nach allem aus, aber nicht nach einer 2. Ligamannschaft. Ich brauchte ein Gerüst, welches ich kannte und auf welches ich erst mal aufbauen konnte. Aus meiner alten Mannschaft gelang es mir einen talentierten 14 jährigen, der schon seit über 10 Jahren mit mir trainiert, und einen mitvierziger für die Sache zu begeistern. Ein Glückfall wie sich später herausstellen sollte.
Ein weiterer wichtiger Baustein für einen Neuanfang war der Captain der Mannschaft. Ein Kerl, der golferisch schon viel erreicht hat, menschlich und fachlich eine Macht ist, und der durch seine organisatorischen, sowie rhetorischen Talente der wohl wichtigste Berater für mich sein sollte.
Zwei weitere Spieler hatten sich plötzlich von der anderen Rheinseite auf den Weg gemacht um unser Team zu unterstützen. Vom Papier her nichts tolles, aber irgendwie wollte ich die Jungs haben, sie hatten was.
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Im März stand das erste Trainingslager in der Türkei an. Es hat Spaß gemacht und die Truppe war menschlich wirklich klasse, aber golferisch????
Ich habe relativ schnell erkannt, dass all die Jungs wirklich gutes Golf spielen können, aber warum können sie es nicht abrufen?
Zwei Monate später stand das erste Highlight an, die Nordrheinwestfälische Mannschafsmeisterschaft. Auch in diesem Wettbewerb ist die Mannschaft in dem Jahr vor meinem Amtsantritt von der 1. in die 2. Liga abgestiegen und es kam noch schlimmer, wir sind nochmals abgestiegen, jetzt in die 3. Liga.
Bei diesem Abstieg war mir nun ganz klar, es wird klappen mit dem 2 Jahresplan. Alle waren enttäuscht, die Spieler, der Vorstand, die Fans, ja es flossen sogar Tränen. Aber als ich in die Gesichter dieser jungen Männer schaute, sah ich den Willen etwas zu erreichen.

Meine erste DGL Saison in meinem neuen Club ist schnell erzählt, wir wurden zweiter hinter einer fast unschlagbaren Mannschaft und hatten eine gute Regionalmannschaft.

Zur Saison 2015 schrie nun alles nach Verstärkungen, zu mal uns einer unserer Kölner wieder verlassen musste. Es gab einige Spieler die gerne dazu gekommen wären, auch gute, aber keiner passte so richtig in das Konzept. Ein Sportskamerad aus Dortmund gefiel mir und wir wurden uns dann auch einig. Interessant war zu diesem Zeitpunkt, dass alle sich enorm verbessert hatten. Bei dem einen spiegelte sich dieses in Zahlen wieder, bei dem anderen an seiner Spielkompetenz.
Die Saison 2015 ging also wieder los mit der Nordrheinwestfälischen Mannschafsmeisterschaft. Es wurde ein sehr unspektakulärer Aufstieg zurück in die 2. Liga. Dieser wurde nicht gefeiert, da das Team in dieser Klasse wirklich fehl am Platze war, aber es war der erste Erfolg seit vielen, vielen Jahren!!!
Mich persönlich erfreute die bis dahin sehr hohe Trainingsbeteiligung. Zeigte sie doch, dass die Jungs gerne zum Training kommen und sich verbessern möchten.
Die DGL Saison 2015 begann sehr unglücklich und hätte jedem anderen Team mit dieser sportlichen Historie wohl den Todesstoß versetzt. Dieser Mannschaft aber nicht!!! Das war für mich das nächste Zeichen, diese Mannschaft kann es schaffen. Aber jetzt mal von Anfang an.

Der erste Spieltag im GC Schmitzhof endete mit einem 2. Platz, 2 Schläge hinter dem Krefelder GC. Zum zweiten Spieltag ging es zu den eigentlichen Favoriten nach Duisburg. Auch hier hatten wir mit Fortuna kein gutes Abkommen. Platz 3 schlaggleich mit Duisburg und einen Schlag hinter dem erneute Tagessieger, dem Krefelder GC.

Nach nur zwei Spieltagen hatte die Mannschaft aus Krefeld nun schon 3 Punkte, aber auch nur 3. Schläge Vorsprung auf mein Team und der Mannschaft aus Duisburg.

Nun sollte aber der 3. Spieltag auf der Anlage des Mülheimer GC kommen. Meine Jungs brannten förmlich ein Feuerwerk ab und deklassierten die Konkurrenz. Das aber wirklich Interessante an diesem Spieltag war, dass der Spitzenreiter aus Krefeld nur den 4. Platz erreichen konnte. Da war er nun, der erste Spieltagsieg meiner Mannschaft seit vielen Jahren.
In der Gesamttabelle bedeute das nun Punktgleichheit mit Krefeld. Da wir aber deutlich weniger Schläge benötigten, wurden wir als Tabellenerster geführt. Ein Gefühl, welches es in diesem Club schon sehr lange nicht mehr gegeben hat. Die Mitglieder wurden aufmerksam, es gab Glückwünsche, Sponsoren konnten akquiriert werden. Der Aufstieg schien nun greifbar. Noch zwei Spieltage, einer in Krefeld und der letzte auf der heimischen Anlage.
Auch in Krefeld mussten wir uns wieder mit einem Schlag hinter dem Gastgeber mit Platz 2 begnügen. Aber wir hatte es noch in der eigenen Hand, beim letzten Spieltag nur vor Krefeld bleiben. Alle anderen Mannschaften in der Liga hatten mit dem Aufstieg nichts mehr zu tun, es war ein Zweikampf.

Um es vorweg zu nehmen, meine Mannschaft hat den Tagessieg und somit den Aufstieg in die 2. Bundesliga geschafft.

Als Trainer versuche ich mich in solchen Momenten immer ganz aus der Situation herauszunehmen. Der Blick aus fast 50m Entfernung auf eine Gruppe von Spielern die sich alle um das letzte Grün versammeln um den letzten Kammeraden zu empfangen. Die jubelnd die Arme hochreißen, Gesänge anstimmen und Bierduschen verschütten. Ein ganzer Club der mitfeiert, dessen Mitglieder gratulieren, dessen Präsidenten vor Stolz strahlt.

Genau das ist es, was uns krankhaft ehrgeizigen Trainern immer wieder antreibt. Diesen Moment nimmt mir keiner mehr und das ist es wofür ich arbeite!!!

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Ich liebe es wenn ein Plan gelingt.

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